User Tools

Site Tools


sonnenscheibe_der_azteken

Sonnenscheibe der Azteken

Gott Bes © Olaf Tausch Indische Kali © public domain Griechische Medusa © Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons

Die Sonnenscheibe der Azteken ist ein Stein mit beträchtlichen Ausmaßen. Er hat einen Durchmesser von 3,6 Metern und eine Dicke von 1,22 Metern. Der Stein der Sonne (spanisch Piedra del Sol) wiegt 24 Tonnen und besteht aus Basalt.

In der Mitte sieht man ein Gesicht mit einer heraushängenden Zunge, vermutlich eine Darstellung der Erdgöttin Tlaltecutli. Nach der Mythologie der Azteken handelte es sich bei Tlaltecutli um ein gefräßiges und hässliches Monster, welches in zwei Teile zerrissen wurde. Aus der einen Hälfte bildete sich der Himmel, aus der anderen die Erde. Um Tlaltecutli zu versöhnen, erhielt sie die Aufgabe, mit ihrem Erdteil die Menschen zu ernähren. Aus diesem Grunde ruft sie gelegentlich nachts nach Menschenopfern.

Nach Vorstellung der Maya und Azteken hat Gott die Welt bereits vier mal erschaffen und wieder vernichtet, da er mit seinem Ergebnis nicht zufrieden war. Diese vier Weltzeitalter sehen wir auf der Sonnenscheibe um das Gesicht herum angeordnet. Sie werden immer in folgender Reihenfolge genannt: Jaguar, Vogel (Wind), Affe (Regen), Fisch (Wasser). Mir fiel auf, dass es sich hierbei um die Evolutionsabfolge handelt, allerdings in der falschen Reihenfolge. Richtiger wäre: Fisch, Vogel, Affe, Jaguar. Jaguar bedeutet im Lateinischen fleischfressender Vierfüßler, womit auch wir Menschen gemeint sind. Diese vier Zeitalter wurden jeweils durch Erdbeben, Feuer, Überschwemmungen und Sturm, somit durch die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft vernichtet.

Zur Zeit befinden wir uns im fünften Zeitalter. Dies würde wiederum der buddhistischen Elementenlehre entsprechen, die als fünftes Element die Leere mit einbezieht. Nach buddhistischem Glauben muss sich der Mensch völlig entleeren, um Neues aufnehmen zu können. Im übertragenen Sinne bedeutet dies, alle Vorurteile, alles Alte aufgeben, um sich tiefen neuen Erkenntnissen zuwenden zu können.

Auch Griechenland sprach bereits in der Antike von der Ewigen Welt, die in periodischen Zeitabschnitten neu geformt wird. Diese Zyklen der Weltzeitalter sind in allen Kulturen zu finden. Hesiod, einer der ältesten bekannten griechischen Schriftsteller, sprach von den fünf Menschengeschlechtern.

Die Menschengeschlechter nach Hesiod:

  • Goldenes Geschlecht = Paradies, ewiger Frühling, Nahrung im Überfluss
  • Silbernes Geschlecht = Winter zieht ein, Nahrung muss angebaut werden
  • Bronzenes Geschlecht = Waffen werden gebaut, Kriege geführt
  • Heroisches Geschlecht = Zeit der Helden und Halbgötter
  • Eisernes Geschlecht = Niedergang und Verfall

Hesiod, der 700 v. Chr. lebte, sah bereits voraus, dass die Gewinnung von Eisen und Gold zu Waffen, Krieg und Habgier bei den Menschen führen wird. Die Auflistung seiner Weltalter ist nahe verwandt mit den Chakren des asiatischen Bereichs. Hier werden Energiezentren entlang der Wirbelsäule genannt, die unten beginnend bis zum höchsten Chakra, dem Kronenchakra (Gold) aufsteigen. Diese Chakren werden mit folgenden Metallen in Verbindung gebracht:

  • Gold
  • Platin
  • Silber
  • Kupfer
  • Quecksilber
  • Eisen
  • Blei

An dieser Stelle erklärt sich auch die Arbeit der Alchemisten, die den Stein des Weisen und das Lebenselixier suchten. Die Umwandlung von Blei zu Gold bezog sich nicht auf Metalle, sondern auf die innere Verwandlung bis hin zur Erleuchtung bzw. Erlösung. Nach ihrer Aussage bietet der Stein des Weisen die Erklärung zu dieser Erleuchtung. Wer ihn fand, durfte sich als Adept bezeichnen, als Mitglied der Gemeinschaft, die in die Geheimlehren eingewiesen war. Die Alchemisten suchten nach der Urkraft des Lebens und versuchten bei allen Dingen den Ursprung zu finden.


Gott Bes © Olaf Tausch

Bes ist eine Gottheit, die ursprünglich aus dem Sudan stammt und die ab der 12. Dynastie auch in Ägypten verehrt wurde.

In der ägyptischen Götterwelt gilt Bes als Schutzgott, der seinen Schutz während der Nacht ausübte. Er wird als Schlangenverschlinger und Gott der Zeugung und der Geburt angesehen. Allmählich wuchs er als Schutzgott des Gotteskindes empor.

Der junge Horus wurde manchmal auch mit dem Gesicht des Bes dargestellt.

In Tibet gibt es noch heute Begrüßungsrituale, bei denen man sich die Zunge herausstreckt.


Perseus und Medusa © Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons

In Griechenland begegnen wir Medusa, der Gorgone, einer Tochter der Meeresgötter Phorkys und Cetus. Hier schließt sich der Kreis mit der Nasca-Fläche wieder, wenn wir uns das Zeichen des Wal (Cetus) anschauen. Medusa war angeblich so hässlich, dass jeder bei ihrem Anblick zu Stein erstarrte. Perseus, Halbgott und Sohn des Zeus, bekam den Auftrag Medusa zu töten und erhielt hierbei Unterstützung von Athene. Sie überreichte ihm einen verspiegelten Schild, womit er Medusa beobachten und ihr den Kopf abschlagen konnte, ohne ihr direkt in die Augen sehen zu müssen.

Die Abtrennung des Kopfes ist ein Symbol für die Abspaltung des eigenen Ego. Erst wenn es dem Menschen gelingt sein Ego zu überwinden, kann er wieder Gemeinschaft erleben und in Nächstenliebe handeln. Erst wenn der Deckel vom Gefäß abgehoben wird, kann der Krug neu gefüllt werden. Eine weitere Metapher zu dem oben aufgeführten buddhistischen Glauben, dass der Mensch shûnya, die Leere finden muss, um sich zu erneuern.

In Indien wird Kali, die schwarze Göttin mit heraushängender Zunge verehrt. Trotz ihrer oft blutrünstigen Darstellung mit einem abgetrennten Kopf in der Hand, gilt sie als Göttin der Mutter Erde und Beschützerin der Menschheit. Ihre Wut richtet sich gegen böse Dämonen und Ungerechtigkeiten. Sie unterstützt die Befreiung des Geistes und verhilft so zur Erlösung. Ihre Ähnlichkeit mit der Erdgöttin der Azteken, Tlaltecutli, ist unübersehbar.

Das Foto von Albert Einstein mit seiner herausgestreckten Zunge ist sehr bekannt. Weniger bekannt ist, dass Einstein sich zu diesem Foto äußerte und angab, es handele sich hierbei nicht um einen Schabernack, sondern um ein Zeichen seiner politischen Einstellung. Albert Einstein hat sich aktiv für den Weltfrieden eingesetzt. Hat er bewusst das kulturübergreifende Zeichen der heraushängenden Zunge genutzt? War in eingeweihten Kreisen bekannt, dass die Abgrenzung und das Ego zu den größten Problemen, wenn nicht dem größten Problem der Menschheit zählt? Hierzu ein Zitat von ihm:

“Der wahre Wert eines Menschen ist in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur Befreiung vom Ich gelangt ist.” Albert Einstein, Mein Weltbild

Weitere Scharrbilder auf der Nasca-Fläche, die sich auf die Sonnenscheibe der Azteken beziehen, findet ihr hier.

sonnenscheibe_der_azteken.txt · Last modified: 2017-04-03 01:01 (external edit)